8. Freisinger Bank Zukunftsdialog
Unterstützung für pflegende Angehörige
Der Artikel zur Veranstaltung:
Dienstag, 3. Februar 2026, Freisinger Tagblatt / Stadt Freising
von Richard Lorenz
Bis 2055 könnten sieben Millionen Menschen betroffen sein. Beim Zukunftsdialog der Freisinger Bank erklärten Experten, was jetzt zählt.
Freising – Bis 2055 werden voraussichtlich knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland auf Pflege angewiesen sein. Eine Zahl, die am vergangenen Donnerstag in der Freisinger Bank beim 8. Zukunftsdialog unter dem Schlaglicht „Pflege“ für Staunen sorgte.
Weil schon heute über 80 Prozent der Betroffenen zu Hause und meist von Angehörigen gepflegt werden, lud die Freisinger Bank gleich zwei Experten ein, die den zahlreich erschienenen Gästen einen ersten Basiswissen-Katalog vorstellten.
„Jeder zweite Mann und annähernd drei von vier Frauen werden in ihrem Leben pflegebedürftig sein“, leitete Dominik Wieczoreck, Teamleiter Pflegeberatung der AOK Bayern, ein. Aktuell sind 5,7 Millionen Menschen in Deutschland auf Pflege angewiesen, Tendenz steigend. 80 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt, in Bayern sogar 85 Prozent. Doch an was muss gedacht werden, wenn ein Angehöriger plötzlich auf Pflege angewiesen ist? Und was kann schon im Vorfeld erledigt werden?
Widerspruch ist jederzeit möglich
„Jeder sollte jetzt schon über eine Vorsorgevollmacht nachdenken“, erklärte Wieczoreck. Diese regelt im Notfall, wer als Ansprechpartner für die betroffene Person fungieren kann, während die ebenfalls dringend zu empfehlende Patientenverfügung den eigenen Willen über etwa medizinische Eingriffe transparent macht. Wenn die Pflegebedürftigkeit eintritt, solle laut des Experten zudem eine rechtzeitige Antragstellung zu einem Pflegegrad eingeleitet werden.
Die Pflegegrade 1 bis 5 stellte Johanna Manhart, Pflegeberaterin der AOK Freising, vor, während schon die ersten Fragen aus dem Publikum auftauchten. „Was ist, wenn man das Gefühl hat, der Pflegegrad ist zu niedrig?“, wollte ein Gast wissen. Manhart klärte auf: „Man kann jederzeit Widerspruch einlegen oder sich das Gutachten vom medizinischen Dienst übersetzen lassen.“
Ein weiterer wichtiger Punkt, den Wieczoreck ansprach: die sogenannte Hilfsmittelversorgung. Darunter falle etwa ein Badewannenlifter, Desinfektionsmittel oder Inkontinenzartikel. Verordnet werden diese Hilfsmittel vom Hausarzt, erhältlich sind sie dann entweder in einem Sanitätshaus oder bei einem Vertragspartner der Krankenkasse. Wovor der Experte allerdings eindringlich warnte: „Hier gibt es dubiose Anbieter, die Hilfsmittel-Abos anbieten. Und dann haben sie plötzlich einen Vertrag an der Backe.“
Was eine Zuhörerin wissen wollte: „Wo bekomme ich Adressen von 24-Stunden-Kräften her, die die Pflege übernehmen?“ Diesbezüglich hielt sich Wieczoreck allerdings zurück und erklärte: „Das ist eine reine private Angelegenheit. Hier gibt es auch keine Regelungen, was die Person können muss und was nicht.“ Dennoch hatte er auch hier einen Tipp: „Hören Sie sich um, wer welche Erfahrungen mit wem gemacht hat. Eine Liste kann ich Ihnen aber nicht geben.“
Fachkräftemangel bleibt Riesenproblem
Eine weitere Zuhörerin hatte da eine ganz andere Frage: „Wie bereitet sich die Gesellschaft auf diese hohe Pflegebedürftigkeit vor?“ Wichtig sei die Prävention, damit die Menschen gar nicht oder erst spät in die Situation kämen“, sagte Wieczorek. Was aber schon auch klar sei: Ein Problem bleibe der Fachkräftemangel. „Es gibt Fälle, in denen sich die betroffenen Leute alles leisten könnten, aber man schlichtweg kein Personal findet.“
Es werden Hilfestellungen und eine Übersicht über den Antrags- und Formulardschungel zum Thema Pflege geboten.
Zudem werden allgemeine Fragen rund um die Pflege Angehöriger und die eigene Pflegebedürftigkeit beantwortet.
Für persönliche Fragen ist am Ende des Vortrags ebenfalls Zeit.
Referent: Dominik Wieczoreck, Teamleiter Pflegeberatung der AOK-Bayern
Termin: Donnerstag, 29. Januar 2026
Einlass: ab 18:30 Uhr
Uhrzeit: 19:00 Uhr bis ca. 21:00 Uhr
Ort: Freisinger Bank eG Volksbank-Raiffeisenbank
Münchner Straße 2, 85354 Freising
Raum: 3. OG; Galerie
Anmeldung bis Donnerstag, 29. Januar 2026
Kurzinfo: Kostenlose Veranstaltung
Nachhaltigkeitsmanagment
Telefon: 08161 189-191
E-Mail: sandra.neumayer@fs-bank.de